48 JAHRE DEUTSCHE TEILUNG
48 JAHRE DEUTSCHE TEILUNG
(DURCH DIE MAUER)
„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“
Dieser Satz von Walter Ulbricht ist sicher der bekannteste im Zusammenhang mit dem Berliner Mauerbau. Die Geschichte der Berliner Mauer beginnt also mit ihrer Verneinung. Ein solches Konstrukt hat es nicht geben dürfen, jedenfalls nicht als Mauer.
Wie auch immer man das Bauwerk nennen mochte, das in den Jahren nach diesem Ausspruch an den Sektorengrenzen der Westalliierten errichtet wurde, als Grenze manifestiert hat es sich sehr schnell.
In den ersten Tagen konnte man sich noch zuwinken oder an einer günstigen Stelle über frisch gerollten Stacheldraht springen. Etwas später war eine Überwindung nur durch Sprünge aus hohen Fenstern in das Feuerwehrtuch oder gar durch komplizierte Tunnelbauprojekte möglich. Im Versuch, die gesicherte Sektorengrenze zu überwinden, starben etwa 125 Menschen (Quelle: Wikipedia), die Hälfte davon in den ersten 5 Jahren nach Ulbrichts Nachdenken über die Kapazitäten der Arbeiter im Wohnungsbau.
Die materielle Gegenwart dieses vielfach gestaffelten und in seinen Bereichen genau durchdachten Berliner Bauwerkes mag für viele Einwohner der Hauptstadt der DDR, die keinen Zugang zu den grenznahen Bereichen hatten, eher abstrakt geblieben sein. Die Einwohner Westberlins hatten die abschließende Betonfertigteilmauer vor der Nase. Deren erste Elemente waren in ihrer Funktion eigentlich als Lagerwände für Stallmist gedacht. Später wurden sie ersetzt durch das so genannte Stützwandelement UL 12.11. Höhe (ohne Röhre): 360 cm. Breite: 120 cm.
Obwohl auf dem Hoheitsgebiet der DDR liegend, hatten Westberliner Bürger ungehinderten Zugang zu jener Wandfläche, die je nach Sichtweise den Anfang oder Abschluss bildete. In den 28 Jahren ihrer Existenz bildete diese Wandfläche als größte Pinnwand der deutschen Geschichte dann auch einen reizvollen Anlass für das Grabbeln, Furchen und Bemalen. Für den Blick auf die andere Seite wurden Aussichtsplattformen installiert. Merkwürdigerweise gab es in den Westberliner Sektoren nur sehr vereinzelte Aktionen, die das Ziel hatten, die physisch vorhandenen Mauersegmente zu sprengen.
Die Bedeutung dieses durch Beobachtungstürme, Scheinwerfer, Sensoren und Minenfelder unüberwindlich gemachten Bauwerkes verlor sich im Herbst 1989 sehr schnell. Die Negation seiner Existenz mündete, eine Spezialität der deutschen Auffassung von Realität, in der versehentlichen Aufhebung seiner Bedeutung.
„Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
ist der zweite bedeutsame Satz im Zusammenhang mit der Existenz des Bauwerkes. Schabowski entmanifestierte damit die Bedeutung dieser Anlagen, sie verschwanden in den nachfolgenden Prozessen innerhalb weniger Monate fast vollständig.
In den folgenden Jahren bedurfte es einiger Anstrengungen, den Verlauf dieser einstmals so unüberwindlichen Grenze wieder sichtbar zu machen. Es gibt aber doch einige Übergänge, bei denen man als unvoreingenommener Beobachter die Wucht der einstigen Gegensätze spüren kann.
Ein Berliner Sprayer hat diese Grenzen erneut bestimmt. Leider wurden seine Arbeiten kaum gesehen und unverzüglich entfernt. 48 JAHRE DEUTSCHE TEILUNG von Michael Waitz dokumentiert seine Arbeit, die eine gewollte Utopie und deren Aufhebung als Wirklichkeit behandelt.